Der LightMake L4 startet bald auf Kickstarter. Es handelt sich um einen großen 3D-Drucker mit vier Druckköpfen und Linearmotoren. Zudem bietet die Maschine Funktionen, die ideal für eine 3D-Druckfarm sind, und exotischerweise eine OpenClaw-Integration.
Haben Sie es nicht mitbekommen? Mittlerweile gelten selbst Toolchanger als zu langsam und verschwenderisch. Das ist zumindest der Eindruck, der entsteht, wenn man den LightMake L4 sieht. Er bringt gleich vier unabhängige Druckköpfe in den vier Ecken seines Bauraums unter. Wohlgemerkt: Es handelt sich nicht um einen Toolchanger. Jeder Druckkopf lässt sich unabhängig ansteuern, und es gibt keinen zentralen Schlitten, der die Werkzeuge aufnimmt oder ablegt.
Der Drucker wird bald auf Kickstarter eingeführt. Ein Vorab-Anzahlungssystem über ca. 45 € sichert Ihnen derzeit eine „VIP“-Unterstützerkategorie, mit der Sie den Drucker für 960 € erwerben können. Das entspricht einem Rabatt von rund 1.190 € auf die von LightMake angegebene UVP von 2.100 €. Das Gerät selbst verspricht Bauräume von 354 x 370 x 386 mm (einfarbig) und 354 x 350 x 386 mm (mehrfarbig), wobei die vier unabhängigen Druckköpfe jeweils auf 320 °C aufheizen können.
Darunter befindet sich ein PEI-beschichtetes Druckbett aus Stahl, das laut LightMake auf bis zu 110 °C beheizt werden kann. An beiden Seiten der Maschine werden zwei Filamentspulen montiert. Die RFID-Materialerkennung ist serienmäßig integriert – ob es sich dabei um einen geschlossenen LightMake-RFID-Standard oder um ein offenes System handelt, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.
Rein optisch sieht das Ganze erst einmal falsch aus. Die Werkzeuge sind nicht gerade so schlank und platzsparend, wie man es sich bei etwas wie dem INDX von BondTech wünschen würde. Sie sehen vielmehr so aus, als würden sie zusammenstoßen. Oder zumindest den nutzbaren Bauraum massiv einschränken. Aber scheinbar funktioniert es. Die L4-Kampagnenseite von LightMake zeigt, wie sich die ungenutzten Druckköpfe an den Enden ihrer Achsen dezent zurückziehen.
Laut den Dokumentationen von LightMake beträgt der kleinste unterteilte Bauraum 145,5 x 167,5 x 386 mm. Das gilt pro Druckkopf, wenn alle vier parallel drucken.
Wie genau funktioniert das nun? Wenn Sie mit dem IDEX-Bewegungssystem vertraut sind, wissen Sie bereits die Hälfte. Der LightMake L4 kombiniert im Grunde zwei unabhängige IDEX-Systeme über einem einzigen Bauraum – quasi ein IDIDEX-System, wenn man so will.
Das Portal auf jeder Seite kann für eine bestimmte Schicht einen oder beide Druckköpfe anfordern, jedoch nicht gleichzeitig im selben Druckvorgang. Das heißt, sie wechseln sich entweder ab, um Schichten zu einem einzelnen Modell hinzuzufügen, oder sie teilen ihre Hälfte des Bauraums auf, um identische Modelle unabhängig voneinander, aber gleichzeitig, zu drucken. Entscheidend dabei ist, dass sich jedes Paar eine feste X-Achse teilt, sich aber auf der Y-Achse unabhängig bewegen kann.
Das Ganze wird nun verdoppelt. Ein identisches IDEX-System befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Druckbetts, das denselben Regeln folgt, aber auch auf das andere System abgestimmt ist. Alle Druckköpfe können abwechselnd an einem spezifischen, mehrfarbigen oder aus verschiedenen Materialien bestehenden Modell arbeiten. LightMake behauptet, dass so ein Druckkopfwechsel nur 1 Sekunde in Anspruch nimmt. Alternativ können auch alle Köpfe parallel laufen, beschränkt auf ihren jeweiligen Quadranten auf dem Druckbett, und so durch identische Bewegungen mehrere Kopien desselben Modells produzieren.
Für mehrfarbige Drucke verspricht LightMake beim L4 eine Purge-Verschwendung nahe null. Es heißt, man habe die „massive, verschwenderische Purge-Linie gegen einen minimalen Reinigungsturm getauscht“. Dieser Reinigungsturm ist allerdings nirgends abgebildet, es sind lediglich winzige Mengen an „Purge-Abfall“ zu sehen.
Das Drucken mit vier Köpfen ist im Grunde der große Star des L4. Der Drucker nutzt Linearmotoren, was ein riemenloses, geschlossenes Antriebssystem ermöglicht, das offenbar extrem präzise ist und hohe Geschwindigkeiten erreicht. Diese Motoren sind eher bei Industriemaschinen als bei Desktop-Druckern zu finden. Das letzte Mal, als wir Linearmotoren in einem solchen Drucker (dem Peopoly Magneto X) gesehen haben, räumte der Hersteller sogar selbst ein, dass dies für einen Drucker mit einem Düsendurchmesser von 0,4 mm oft als „Overkill“ angesehen wird. In unserem Bericht zu diesem Drucker stellten wir fest, dass Linearmotoren „teuer und komplex sind, zudem mangelt es an einer breiten Lieferkette und an Software-Unterstützung“.
Ein potenzieller Vorteil eines solchen Systems ist jedoch der geringere Verschleiß. Die mit Linearmotoren ausgestatteten Achsen schweben im Grunde auf einem Magnetkissen und werden durch Linearschienen geführt.
Die Liste der Funktionen des L4 geht weiter mit der Integration von KI in seine Systeme und Arbeitsabläufe. Die Kampagne wirbt mit Flottenmanagement und automatischen Warteschlangen (Dinge, von denen wir ziemlich sicher sind, dass sie auch schon vor „KI“ möglich waren). Wichtiger ist da schon die Einführung eines „konversationellen KI-Slicing“, das schriftliche Anweisungen in Parameteränderungen im Slicer übersetzt, plus die Integration von OpenClaw.
Für alle, die es nicht kennen: OpenClaw ist im Grunde ein Open-Source-Framework, das es den KI-Agenten unter Ihrer Kontrolle ermöglicht, mit anderen Tools und Diensten zu interagieren und zu kommunizieren. Sie steuern und interagieren mit Ihren OpenClaw-Agenten über Messenger-Apps wie Whatsapp, Slack und andere, und diese erledigen dann im Hintergrund Ihre Aufträge. Im Fall von LightMake erwähnt das Unternehmen ausdrücklich die Interaktion über Whatsapp, was für datenschutzbewusste Nutzer, die Meta außen vor lassen wollen, ein Hindernis darstellen könnte.
Unser Eindruck ist, dass LightMake den L4 vor allem als Maschine für die 3D-Druckfarm positioniert. Für normale Anwender ist ein Großteil der Flottenmanagement-Funktionen überflüssig. Zudem sind produktivitätssteigernde Druckmodi wie Duplizieren und Spiegeln Nischenfunktionen, die zwar den Output einer Maschine verdoppeln (oder in diesem Fall vervierfachen) können, aber gleichzeitig die druckbare Größe drastisch reduzieren und alle gedruckten Teile anfällig für Fehler bei den anderen machen. Sollte sich ein Druck lösen oder ein mechanisches Problem auftreten, kann das alle anderen ruinieren.
Es handelt sich um ein völlig neues Unternehmen mit einem brandneuen Produkt, das auf Kickstarter um Geld wirbt. Daher gilt wie immer unser üblicher Warnhinweis: Sie sollten kein Projekt mit Geld unterstützen, dessen Verlust Sie sich nicht leisten können. IDEX konnte das Publikum bisher nicht wirklich begeistern – wird es die Kombination zweier solcher Systeme besser machen? In der heutigen Realität des mehrfarbigen Drucks ist das durchaus möglich.
Ein Bild auf der Seite für die Anzahlung deutet darauf hin, dass auch eine Version mit nur einem Druckkopf, der L1, zur Unterstützung bereitstehen wird. Die Beiträge dafür beginnen bei 790 €. Laut LightMake verfügt diese Maschine über einen größeren Bauraum und weniger Linearmotoren – beides Änderungen, die sich daraus ergeben, dass nicht mehrere Druckköpfe untergebracht werden müssen.
Vorerst nimmt LightMake über die eigene Website Anzahlungen im Vorfeld des Crowdfundings entgegen. Weitere Details finden Sie auf der Kampagnenseite.
Anmerkung der Redaktion – Dieser Artikel berichtet über eine Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne. Kickstarter ist kein Geschäft; Kampagnen sind rechtlich nicht verpflichtet, Crowdfunding-Zusagen zu erfüllen oder Rückerstattungen für nicht eingelöste Kampagnenprämien anzubieten. Für weitere Informationen lesen Sie bitte unseren Artikel 8 Things to Watch for When Backing a 3D Printing Kickstarter.
Lizenz: Der Text von "LightMake L4: Ein neuer Double-IDEX-3D-Drucker, der kein Toolchanger ist" von All3DP unterliegt der Creative Commons Attribution 4.0 International License.