Der neue industrielle 3D-Drucker kombiniert eine auf 140 °C beheizte Druckkammer, zwei 450 °C heiße Extruder und automatisierte Funktionen. Damit lassen sich große Bauteile aus technischen Kunststoffen fertigen.
Nur wenige Wochen nachdem Stratasys seinen industriellen FDM-3D-Drucker F870 vorgestellt hat, bringt der deutsche Hersteller BigRep den Altra 670 auf den Markt. Auch er ist ein großformatiges Gerät für Funktionsteile, Werkzeuge und Fertigungshilfsmittel. Und, wie es der aktuelle Markt verlangt, auch für Drohnengehäuse und -teile. Beide Drucker zielen auf industrielle Produktionsumgebungen. BigRep verfolgt jedoch einen anderen Ansatz: Im Vordergrund stehen ein größerer Bauraum, höhere Verarbeitungstemperaturen und ein offenes Filamentsystem.
Der Altra 670 bietet einen Bauraum von 700 × 1.200 × 800 mm, der Stratasys F870 dagegen 1.000 × 610 × 610 mm. Das sind 80 % mehr Volumen. Noch wichtiger ist aber vielleicht die vollständig beheizte Druckkammer von BigRep: Sie erreicht 140 °C, beim F870 sind es 95 °C. Das verschafft dem Altra 670 einen Vorteil beim Druck großer Bauteile aus thermisch anspruchsvollen Polymeren wie PEKK, kohlefaserverstärktem PEKK und PPSU. Denn wenn das abgelegte Material während des gesamten Drucks heißer bleibt, lassen sich Warping (Verzug) und innere Spannungen bei großen Bauteilen reduzieren. Gleichzeitig verbessert sich die Haftung zwischen den Schichten.

Stratasys strebt allerdings nicht unbedingt eine breite Materialpalette an. Stattdessen wurde der F870 mit seiner 95 °C heißen Kammer gezielt für Materialien entwickelt, die sich für Werkzeuge und Betriebsmittel in der Fertigung etabliert haben: Nylon 12CF, ABS und ASA. Trotzdem ist die Flexibilität bei Hochtemperaturmaterialien ein Pluspunkt im Materialangebot des Altra 670. Dazu gehören außerdem ABS, ASA, Polycarbonat, Polypropylen und verschiedene kohlefaserverstärkte Materialien.
Beide Drucker sind für die industrielle Fertigung konzipiert. Der F870 konzentriert sich vor allem auf Halterungen, Vorrichtungen und Produktionswerkzeuge. BigRep positioniert den Altra 670 hingegen als breiter einsetzbares System für große Prototypen, Fertigungshilfsmittel und Endbauteile, etwa in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Verteidigungsindustrie.
Der Altra 670 verfügt außerdem über ein 140 °C heißes Druckbett und zwei wassergekühlte DSX-Extruder (Direct Synchronized Extruder), die bis zu 450 °C erreichen.

Beide Maschinen sind darauf ausgelegt, lange Druckaufträge mit minimalem Eingriff zu bewältigen.
Die beiden DSX-Extruder von BigRep sind mit mehreren Sensoren zur kontinuierlichen Filamentüberwachung ausgestattet. Im sogenannten Relay Mode wechselt der Drucker automatisch zum zweiten Extruder, sobald dem ersten das Filament ausgeht. So läuft der Druckauftrag weiter, ohne dass er für einen Spulenwechsel angehalten werden muss.
Der Altra 670 fasst vier 8-kg-Spulen und bietet damit bis zu 32 kg Materialkapazität direkt am Gerät. Der Stratasys F870 nimmt dagegen vier Materialspulen mit je 4.100 cm³ auf. Das entspricht insgesamt etwa 17 kg ABS oder 17,5 kg ASA. Gemessen am Gewicht bietet BigRep also fast die doppelte Kapazität. Dafür verfügt der F870 über ein integriertes regeneratives Trocknungssystem, während BigRep lediglich eine abgedichtete Trockenlagerung angibt.
Ein klarer Pluspunkt für BigRep ist jedoch das offene Filamentsystem, das Materialien von Drittanbietern unterstützt. Der F870 ist auf das hauseigene Materialportfolio von Stratasys beschränkt und unterstützt die OpenAM-Software des Unternehmens nicht.
Der Altra 670 bietet automatische Kalibrierung, adaptive Mesh-Druckbettnivellierung, Filamentende-Erkennung und eine HD-Kamera zur Fernüberwachung. Hinzu kommt eine abnehmbare, beheizte Druckplatte namens „Switchplate“, die die Wärme gleichmäßig über große Drucke verteilen soll. Eine Technologie zur Luftstromregelung sorgt laut BigRep zudem für gleichmäßige Temperaturen in der gesamten Kammer.
Laut BigRep tragen der geschweißte Rahmen, die Kugelgewindetriebe und die Servomotoren zur Genauigkeit bei langen Druckaufträgen bei. Das Unternehmen gibt eine Positioniergenauigkeit von unter 0,05 mm und eine maximale Verfahrgeschwindigkeit in XY von 400 mm/s an. Die Extruder erreichen einen maximalen Materialdurchsatz von 250 g/h. Dieser Wert allein sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie schnell die Maschine ein bestimmtes Bauteil fertigstellt.
Der Altra 670 von BigRep definiert den großformatigen Hochtemperatur-Extrusionsdruck nicht neu. Er vereint aber Funktionen, die man in einem einzelnen industriellen Filamentdrucker nur selten findet. Bauraum von 670 Litern, 140 °C heiße Kammer und offenes Materialsystem: Damit können Hersteller große Bauteile aus einer größeren Bandbreite technischer Polymere fertigen, als der Stratasys F870 unterstützt. Es gibt zwar größere und heißere Maschinen, vor allem unter den Pellet-Extrusionssystemen. Diese bringen jedoch andere Kompromisse bei Durchsatz, Prozesskontrolle und Detailgenauigkeit mit sich.
Der D1000 Pro HS von CreatBot und der EXT 1070 Titan Pellet von 3D Systems etwa sind beide deutlich größer, werden aber aktiv nur auf 80 °C beheizt. Der Argo 1000 Hypermelt von Roboze könnte der größte Herausforderer sein. Er bietet einen Bauraum von bis zu 1.000 × 1.000 × 1.000 mm und eine Kammertemperatur von bis zu 180 °C. Zudem druckt er mit Pellets, die in der Regel günstiger sind, und erreicht eine Extrusionsrate von bis zu 2 kg/h.
Der Stratasys F870 punktet wiederum mit einer eigenen Reihe von Druckköpfen, einem integrierten Materialtrockner und dem qualifizierten Materialökosystem von Stratasys.
Letztlich könnte einer der größten Unterschiede der Preis sein (inklusive Materialien). Dieser wurde noch nicht bekannt gegeben.
Der Altra 670 ist weltweit bestellbar. BigRep rechnet mit ersten Auslieferungen bis Ende des ersten Quartals 2027.
Die Markteinführung fällt zudem mit BigReps Rückkehr in Privatbesitz nach dem Delisting von der Börse zusammen.
„Unser Börsengang vor zwei Jahren beruhte auf der Erwartung, dass sich der Markt für additive Fertigung schnell beschleunigen würde. Diese Annahme erwies sich als optimistischer, als es der Markt letztlich zuließ“, sagt Thomas Janics-Jakomini, CEO der BigRep GmbH. „Die Rückkehr in Privatbesitz ermöglicht es uns, unsere Ressourcen wieder auf Produktentwicklung und Wachstum zu konzentrieren.“
Das Unternehmen meldet ein Umsatzwachstum von rund 45 % in den vergangenen zwölf Monaten.
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