Während die Konkurrenz rund um den Globus bereits kräftig investiert, setzt Europa nun ein Zeichen für koordinierte Maßnahmen. Aber werden auch echte Investitionen und schnelle politische Maßnahmen folgen?
In einer Erklärung, die sowohl die Chancen als auch die Dringlichkeit unterstreicht, hat der Europäische Verband für Fertigungstechnologien CECIMO zusammen mit zehn weiteren nationalen Fertigungsverbänden das Manifesto for a Competitive European Additive Manufacturing Sector (Manifest für einen wettbewerbsfähigen europäischen Sektor der additiven Fertigung) veröffentlicht. In diesem neuen Dokument wird eine strategische Vision für die Etablierung Europas als globales Kraftzentrum in der additiven Fertigung dargelegt und zu koordinierten Maßnahmen in den Bereichen Politik, Industrie und Personalentwicklung aufgerufen.
Obwohl der Kontinent seit langem die Heimat von AM-Führern und -Pionieren ist – EOS, Materialise, Siemens, Renishaw, UltiMaker – spiegelt das Manifest die wachsende Besorgnis wider: Die internationale Konkurrenz, insbesondere aus den Vereinigten Staaten und China, versucht schnell und entschlossen, ihre Vorherrschaft in der nächsten Ära der fortschrittlichen Fertigung zu festigen.

Das Manifest erscheint nur wenige Monate nach einer Welle von US-Bundesinitiativen, die darauf abzielen, die amerikanischen AM-Kapazitäten auszubauen – insbesondere in den Bereichen Verteidigung, Energie und stabile Lieferketten.
Seit ihrem Amtsantritt im Januar hat die Regierung von Präsident Trump mehrere wichtige Direktiven auf Führungsebene erlassen, die das politische Umfeld für die additive Fertigung in den Vereinigten Staaten erheblich verbessern.
Neben dem weithin bekannten Ziel, Amerika wieder zu einer Fertigungsnation zu machen, haben Erlasse die Rationalisierung des Beschaffungswesens angeordnet und das Verteidigungsministerium ausdrücklich ermutigt, kommerzielle und innovative Technologien wie AM zu übernehmen. Neue Richtlinien zielen darauf ab, bürokratische Reibungsverluste zu verringern und die Behörden in die Lage zu versetzen, AM schnell im Rahmen der Verteidigungsbereitschaft einzusetzen. Andere Anordnungen, die sich ebenfalls auf die militärische Bereitschaft konzentrieren, ebnen den Weg für AM-produzierte Komponenten, damit diese schneller zu den verbündeten Nationen gelangen, und erhöhen die Fertigungskapazitäten im Verteidigungsbereich in den USA, was ein starkes Signal dafür ist, dass fortschrittliche Produktionstechnologien, einschließlich AM, eine zentrale Rolle bei der Wiederaufrüstung der amerikanischen Industrie spielen werden.
Die USA sind sicherlich nicht die einzigen, die bereit sind, die additive Fertigung in ihre Strategie zur Dominanz in der Fertigungsindustrie einzubeziehen. China hat offenkundig bedeutende strategische Schritte unternommen, um die additive Fertigung als Kerntechnologie anzuerkennen und aufzuwerten, unterstützt durch nationale Politik und Investitionen, von denen Unternehmen wie Bright Laser Technologies (BLT), Farsoon, UnionTech und Eplus3D profitieren.
Made in China 2025, 2015 ins Leben gerufen, hat die additive Fertigung ausdrücklich als einen seiner zehn strategischen Sektoren vorgesehen. Mit konkreten Zielen: 30 % jährliches AM-Wachstum und über 100 Pilotprojekte in allen Schlüsselindustrien. Der chinesische Markt für Metall-AM gehört zu den am schnellsten wachsenden Märkten weltweit, mit einer raschen Akzeptanz in den Bereichen Orthopädie, Werkzeugbau, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung im eigenen Land und einer Ausrichtung auf die Industrie in der EU und den USA.
Vor diesem Hintergrund könnte das europäische Manifest eine Abkehr vom forschungslastigen Enthusiasmus hin zu einer kohärenteren Industriepolitik signalisieren. Es skizziert eine Reihe von Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents stärken sollen:
Am aufschlussreichsten ist vielleicht, dass das Manifest von einer breiten geografischen Koalition – von Portugal und der Türkei bis hin zu Deutschland, Großbritannien und der Schweiz – unterstützt wird, was das gemeinsame Bewusstsein widerspiegelt, dass die Zeit der unkoordinierten nationalen Bemühungen vorbei ist.
Das Manifest spricht sich nicht nur für Innovationen aus, sondern betrachtet die additive Fertigung als Infrastruktur – eine entscheidende Voraussetzung für die Fähigkeit Europas, seine Ziele in den Bereichen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Sicherheit zu erreichen. Die Vorteile der additiven Fertigung reichen von geringeren Kohlenstoffemissionen durch die Produktion von Leichtbauteilen und regionalen Lieferketten bis hin zu schnelleren Reparaturzyklen, größerer Designflexibilität und neuen Materialentwicklungen.
Aber es erinnert auch daran, dass ohne entschlossenes Handeln Europa droht ins Hintertreffen zu geraten. Die USA wollen mit ihrem jüngsten politischen Vorstoß nicht nur in AM investieren, sondern es auch tief in ihr nationales industrielles Rückgrat integrieren.
Der Europäische Verband für Fertigungstechnologien CECIMO hat die EU-Politik durch konkrete gesetzlich vorgeschriebene Erfolge beeinflusst. Darüber hinaus kann er auf eine Erfolgsbilanz bei der Leitung von Konsortien, der Ausarbeitung von Normen und der Koordinierung von branchenweiten Projekten verweisen, was sein Potenzial unterstreicht, den Plan dieses Manifests in die Tat umzusetzen.
Die Veröffentlichung des Manifests zeigt, dass Europa erkannt hat, dass die additive Fertigung aus ihrer experimentellen Phase herausgewachsen ist. Ob dies jedoch den Beginn einer europäischen AM-Renaissance markiert, hängt von den nächsten Schritten ab: politischer Wille, Abstimmung der Finanzierung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Dennoch ist die Botschaft unmissverständlich: Das Rennen um die Vorherrschaft in der additiven Fertigung hat begonnen, und Europa ist ein Mitstreiter.
Lizenz: Der Text von "Nimmt Europa die additive Fertigung endlich ernst? Ein neues AM-Manifest bezieht Stellung" von All3DP Pro unterliegt der Creative Commons Attribution 4.0 International License.