Wir haben eine neue App getestet, die fotorealistische Bilder von 3D-Drucken erzeugt, ohne dass gedruckt wird. Für Verkäufer ist das praktisch. Wer aber wissen will, was er da eigentlich herunterlädt, hat davon womöglich weniger.
Wir alle kennen sie: makellose Renderings von 3D-Modellen auf MakerWorld oder Printables. Doch dann stellt sich die Gretchenfrage: Hat das überhaupt schon mal jemand gedruckt? Und lässt es sich überhaupt drucken? Viele Plattformen versuchen, gegen KI-Bilder und Renderings vorzugehen. Doch dieser Kampf ist kaum zu gewinnen.
Extrudio ist ein neuer browserbasierter Dienst, der gesliceten G-Code in fotorealistische Produktbilder und -videos verwandelt. Damit will er die Lücke zwischen einem rein digitalen Bild und dem Foto eines gedruckten Teils schließen.

Herkömmliche Rendering-Software arbeitet in der Regel mit der glatten Geometrie einer STL-Datei. Extrudio dagegen rekonstruiert aus dem G-Code die Bahnen des abgelegten Filaments. Die Bilder können daher Schichtlinien und andere Oberflächendetails zeigen, die bei gewöhnlichen 3D-Renderings fehlen. Erstellt werden sie mit der Render-Engine Cycles von Blender, nicht mit generativer KI.
Zielgruppe sind vor allem Maker, 3D-Druckfarmen und Unternehmen, die 3D-gedruckte Produkte verkaufen. Sie können damit verschiedene Designs und Filamentfarben präsentieren, ohne jede Variante drucken und fotografieren zu müssen. Interessant ist das Tool aber auch für alle, die schon einmal eine Datei auf einer Plattform wie MakerWorld oder Printables hochgeladen haben.
Wir haben Extrudio kurz getestet. Dabei wollten wir herausfinden, ob es noch einen weiteren Nutzen hat: eine Vorschau darauf, wie sich geänderte Slicer-Einstellungen auf den fertigen Druck auswirken.
Das Ergebnis fiel gemischt aus. Bei einer Schichthöhe von 0,28 mm waren einige Schichtlinien zu sehen. Ein mit 0,12 mm geslicetes Modell wirkte dagegen völlig glatt (siehe oben). Das ist etwas irreführend. Eine moderate Fuzzy-Skin-Textur konnte die Software nachbilden, eine sehr detaillierte dagegen nicht. Darüber hinaus fanden wir kaum Hinweise darauf, dass das Tool die Vorschau eines Slicers ersetzen kann. Ebenso wenig zeigt es zuverlässig, wie sich verschiedene Einstellungen auf das fertige Objekt auswirken.
Ist Ihr Modell sehr detailliert oder besteht es aus einer Million Flächen, rendert Extrudio es schlicht nicht. Stattdessen erscheint eine Fehlermeldung, wie wir feststellten.
Seine wahre Stärke spielt Extrudio bei dem aus, wofür es gedacht ist: Es macht die Produktfotografie deutlich weniger mühsam.
Slicen Sie Ihr Modell in Bambu Studio, OrcaSlicer oder PrusaSlicer mit den Einstellungen, mit denen Sie auch drucken würden. Laden Sie dann den G-Code hoch und passen Sie Filamentfarben, Kamerawinkel und Hintergründe nach Ihren Wünschen an.
Der Dienst bietet bislang 1.843 Filamente von 87 Marken, sieben Studio-Szenen und 55 inszenierte Umgebungen. Außerdem kann er kurze Videos erstellen, etwa mit rotierenden Produktansichten oder Animationen, die zeigen, wie ein Objekt Schicht für Schicht gedruckt wird. Die Bilder lassen sich für 15 Plattformen formatieren, darunter Shopify, Amazon, Etsy, MakerWorld, Printables und Instagram.
Wer eine Vase in 20 Farben verkauft, spart damit zweifellos viel Aufwand. Statt 20 Vasen zu drucken und ein Fotoshooting zu organisieren, lässt sich aus einer einzigen gesliceten Datei eine ganze Kollektion einheitlicher Produktbilder erzeugen.
Weniger begeistert wären wir allerdings, wenn solche Renderings auf Modell-Plattformen die Fotos ersetzen würden. Ein ausgefeiltes Rendering zeigt vielleicht, wie ein Design aussehen soll. Es verrät aber nicht, ob es jemand tatsächlich erfolgreich gedruckt hat, ob die Überhänge gehalten haben oder ob das fertige Objekt in der Realität auch nur annähernd so gut aussieht.

Zum Glück gibt es dafür einige Regeln. Extrudio selbst räumt ein, dass Etsy Originalfotos echter Produkte verlangt. MakerWorld schreibt für jedes Druckprofil ein echtes Foto vor (zumindest „zusätzlich“ zu Renderings oder KI-Bildern). Und TikTok Shop erlaubt überhaupt keine Renderings.
Und das ist wohl auch gut so. Wir schätzen eine ansprechende Präsentation genauso wie jeder andere. Doch beim Stöbern nach Modellen zum Herunterladen ziehen wir das unperfekte Foto eines gelungenen Drucks jederzeit einem verdächtig makellosen Rendering vor.
Extrudio akzeptiert geslicete G-Code-Dateien mit bis zu 100 MB. Neue Konten erhalten 20 kostenlose Credits, Vorschauen sind gratis. Die Bezahlpläne beginnen bei 11 € pro Monat und reichen bis 70 €.
Lizenz: Der Text von "Neue App verspricht Studiofotos aus G-Code: Wir haben sie getestet" von All3DP unterliegt der Creative Commons Attribution 4.0 International License.