Das nächste große Update von Prusa für seinen Slicer markiert ein völlig neues Kapitel für die Software. Das Programm wurde von Grund auf für Maschinen mit mehreren Druckköpfen sowie für Multi-Platten-Projekte neu entwickelt. Zudem gibt es einen neuen Plug-in-Marktplatz. Dieser bündelt die vielen wilden Single-Feature-Forks und verwandelt sie in eine nützliche Bibliothek für alle Anwender.
Ganze sieben Jahre nach dem Start des PrusaSlicer 2.0 bekommen wir endlich einen ersten Blick auf die nächste Software-Generation von Prusa. Der PrusaSlicer 3.0 Preview steht seit gestern als unfertige (und voraussichtlich fehleranfällige) Pre-Alpha-Version zum Download bereit. Damit löst das Unternehmen gleich mehrere Andeutungen ein, dass ihr Slicer umfassend überarbeitet wird.
Wie der Prusa-Blog im Detail erklärt, unterteilen sich die Verbesserungen im Wesentlichen in drei Bereiche: die Benutzeroberfläche, die Struktur unter der Haube und völlig neue Funktionen. Das sind die wichtigsten Neuerungen des PrusaSlicer 3.0:
Die Möglichkeit, mit mehreren virtuellen Druckplatten zu arbeiten, wurde bereits mit dem Update auf PrusaSlicer 2.9 eingeführt. Damit schloss Prusa eine Lücke zu anderen Slicern, die schon lange ausgefeilte Projektdateien anboten. Diese bildeten komplexe Aufträge mit mehreren Druckteilen auf verschiedenen Platten ab. Mit Version 3.0 entwickelt der PrusaSlicer dieses Konzept weiter. Jede Platte lässt sich nun individuell konfigurieren, sodass Sie gezielt verschiedene Drucker für bestimmte Platten zuweisen können.
Passend zu den projektorientierten Verbesserungen können Sie jetzt auch mehrere Druckprojekte gleichzeitig in Tabs geöffnet lassen. Dadurch lassen sich Druckaufträge bequem parallel bearbeiten.
Die wohl größte Neuerung (und die Lösung für eines meiner größten Ärgernisse, seit ich den XL damals zum ersten Mal ausprobiert habe) besteht darin, dass der Slicer einzelnen Werkzeugen ab sofort eigene Druckprofile zuweist. Der PrusaSlicer unterstützte zwar schon immer Workflows für mehrere Extruder. Doch seltsamerweise wurde stets nur ein einziges Profil für alle Werkzeuge angewandt. Damals wollte man es nicht zugeben, aber das war einfach nervig.
Jetzt, da der INDX da ist und noch mehr Werkzeuge verwaltet werden müssen, wird die alte Arbeitsweise für Multitool-Aufträge als „nicht nur ungeschickt, sondern auch schwierig“ beschrieben. Der Beitrag im Prusa-Blog bringt den Vorteil der Neuerung auf den Punkt: Der PrusaSlicer lässt sich nun so nutzen, dass er „die Hardware beschreibt, die Sie tatsächlich haben“.

Kurz gesagt: Es ist ein einfacherer und bequemerer Weg, die geladenen Werkzeuge auszuwählen und zu nutzen. Man muss die Umgebung nicht jedes Mal neu aufsetzen, wenn man (gewissermaßen) eine andere Düse verwendet.
Einstellungen und Optionen für das Slicing verstecken sich nicht länger hinter Tabs. Stattdessen rücken sie nun in einem fixierten Bedienfeld auf der rechten Seite direkt ins Blickfeld. Ebenso können Sie häufig genutzte Einstellungen als Favoriten markieren. Sie bleiben dadurch griffbereit, und Sie müssen nicht jedes Mal danach suchen.
Insgesamt macht die Präsentation einen gewaltigen Sprung nach vorn. Sie vereint den PrusaSlicer mit der Designsprache, die das Unternehmen bereits mit EasyPrint eingeführt hat: große Schaltflächen und Dropdown-Menüs. Die Oberfläche ist deutlich weniger text- und listenlastig als der PrusaSlicer, den wir bisher kannten.
Eine große neue Ergänzung im PrusaSlicer 3.0 ist das Plugin-System. Es nutzt eine Lua-API, die laut Prusa jedoch noch Änderungen unterworfen ist. Die aktuelle Implementierung bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Module mit begrenztem Funktionsumfang interagieren extrem schnell mit dem Haupt-Slicer. Wichtiger noch, sie laufen isoliert in einer Sandbox. Sie werden bei der Ausführung dynamisch aufgebaut und unterstützen somit Prusas Bestreben, den neuen Slicer sicher zu halten.
Ein Community-Marktplatz für Plugins ist für ein zukünftiges Update geplant.
Wie bei allen anderen Versionen ist auch der PrusaSlicer 3.0 unter der AGPLv3.0-Lizenz Open Source. Das Unternehmen geht auf anhaltende Bedenken hinsichtlich der Cloud- und Netzwerksicherheit ein, die selbst bei optionalen Prusa-Diensten wie Connect bestehen. Um die Nutzer zu beruhigen, wurde bei der 3.0-Version sichergestellt, dass Sie sämtliche Netzwerkbibliotheken vollständig verbannen können: „Im reinen Offline-Modus werden die Netzwerkbibliotheken gar nicht erst geladen. Der PrusaSlicer arbeitet komplett isoliert.“

Der PrusaSlicer 3.0 Preview steht ab sofort auf der Prusa3D-Website zum Download bereit. Beachten Sie, dass es sich um eine Vorschauversion handelt. Das Unternehmen weist darauf hin, dass diese Pre-Alpha veröffentlicht wird, um den Fortschritt und die zukünftige Richtung aufzuzeigen. Es gibt jedoch bekannte und unbekannte Bugs, und es fehlen noch Funktionen, die in der aktuellen, stabilen Version (PrusaSlicer 2.9.6) vorhanden sind.
Ist es der Slicer für den täglichen Einsatz und wichtige Druckaufträge? Nein. Ist es ein Zweit-Slicer zum Ausprobieren, Herumspielen und Testen? Definitiv! Das Unternehmen bittet darum, gefundene Fehler im Forum oder im GitHub-Repository zu melden. Sie können die 3.0 Preview übrigens gefahrlos neben bestehenden PrusaSlicer-Installationen nutzen, ohne dass diese sich in die Quere kommen. Profile, die Sie in der Version 3.0 erstellen, werden nämlich separat gespeichert.
Lizenz: Der Text von "Prusa gibt einen ersten Einblick in PrusaSlicer 3.0: Plugins, neue Benutzeroberfläche und Multi-Platten-Druck" von All3DP unterliegt der Creative Commons Attribution 4.0 International License.