Normalerweise bedeutet ein Upgrade im Prusa-Universum, dass Sie Teile Ihres aktuellen Druckers wiederverwenden. Daraus entsteht dann ein neueres, leistungsfähigeres oder größeres Modell. Ein findiger Maker hat dieses Konzept jedoch auf den Kopf gestellt. Er hat einen Core One-Bausatz zweckentfremdet und daraus einen Core One Mini im authentischen Marken-Look gebaut. Der Grund dafür? Er wollte einfach beweisen, dass es machbar ist.
Ein vollständig geschlossener CoreXY-Drucker mit einem Bauvolumen von 180 x 180 x 200 mm, der um das Heizbett des Original Prusa Mini und viele Teile des Core One herum gebaut wurde, existiert nun als fertige, voll funktionsfähige Maschine. Er sieht zwar aus wie ein offizieller 3D-Drucker von Prusa, ist aber keiner.
Das Projekt mit dem Namen Core One Mini (Community Edition) ist auf Printables zu finden. Es wurde über einen Zeitraum von neun Monaten von einem einzigen Printables-Nutzer namens „suit“ entwickelt. Er hat die Reise in einer 15-teiligen Blog-Serie auf Printables dokumentiert. Es ist eine faszinierende Lektüre, die auf die Details, Entscheidungen und Herausforderungen eingeht, die eine solche Aufgabe mit sich bringen kann.
Der Komplexität nach zu urteilen, ist das kein Projekt für schwache Nerven. Wenn man die Gesamtkosten für den Prototyp bedenkt und die Tatsache, dass das fertige Gerät im Vergleich zu seinen größeren Geschwistern nicht wirklich platzsparend ist, sollte man vielleicht eher nur darüber lesen, anstatt es nachzubauen.
Seit der Original Prusa Mini+ im Jahr 2020 auf den Markt kam, hat Prusa mehrere Updates der MK-Serie sowie zwei völlig neue Plattformen mit dem Prusa XL und dem Core One herausgebracht. Letzterer wurde Ende letzten Jahres durch den Core One L ergänzt. Das sind gut ein halbes Dutzend Drucker, ohne dass auch nur das geringste Gerücht über einen neuen Mini laut wurde. Unabhängig von den wirtschaftlichen Gründen, die gegen einen neuen Mini sprechen mögen, taucht die Frage nach einem Nachfolger immer wieder auf. Das Projekt von „suit“ liefert darauf eine inoffizielle Antwort.

Die Konstruktion vereint die Designkonzepte des Core One und des Core One L. Als Maßgrundlage dienen die offiziellen CAD-Baugruppen, die Prusa im Dezember 2025 veröffentlicht hat. Bei den Rahmenprofilen handelt es sich um serienmäßige Core One-Profile, die um genau 70 mm gekürzt wurden. Sie wurden mit einer 3D-gedruckten Schablone zugeschnitten, sodass die vorhandenen Lochmuster weiterhin übereinstimmen und nicht gebohrt werden muss.
Beim Bau wird das originale 24-V-Heizbett des Mini wiederverwendet. Dies ist die einzige Komponente, die bei diesem inoffiziellen Upgrade-Pfad tatsächlich übernommen wird. Sie könnten sogar bei Null anfangen und das Bett als Ersatzteil von Prusa kaufen. Teile, die nicht in dem veröffentlichten Dateipaket enthalten sind, sind entweder identisch mit ihren Core One+ Pendants oder leicht modifizierte Core One-Teile.
Laut einem Post des Designers hat Prusa Research einen Core One-Bausatz gesponsert, auf dem der Prototyp aufbaut. Dieser im Dezember 2025 erhaltene „Spender“-Bausatz stellt den mit Abstand größten Posten im Budget des Core One Mini dar. Nach Angaben des Designers war Prusa darüber hinaus nicht an dem Projekt beteiligt.
Das Projekt durchlief drei große Überarbeitungen. Beim ersten Entwurf wurde ein durch Reverse Engineering nachgebauter Core One verkleinert; er funktionierte auf dem Papier, ließ aber keinen Platz für ein Netzkabel. Der zweite Entwurf scheiterte auf der Formnext 2025, als der Core One+ und die USS Drybox vorgestellt wurden – zwei lohnenswerte Updates, die in das Design integriert werden mussten. Der dritte Entwurf wurde erst möglich, als Prusa kurz darauf die offiziellen CAD-Daten für die Drucker veröffentlichte. Die Designs, aus denen letztendlich der Core One Mini (Community Edition) entstand, sind größtenteils Remixe dieser offiziellen STEP-Dateien. Dadurch konnte auch die schwierigste Platzfrage der Maschine gelöst werden: Der Filamentsensor ist nun im Griff des Druckers versenkt.
Der Original Prusa Mini führte die 32-Bit-Mainboard-Architektur und einen gemeinsamen Firmware-Kern ein, der bis heute in allen neuen Releases von Prusa zu finden ist. Der Core One Mini von „suit“ läuft mit einem Fork der Core One-Firmware. Die Änderungen beschränken sich auf das, was die Geometrie vorgibt: neue globale Bewegungslimits, überarbeitete Park- und Homing-Positionen, ein angepasstes Raster für das Bed-Mesh-Levelling, eine modifizierte automatische Entlüftungsroutine sowie ein neu kalibriertes thermisches Modell und PID für das kleinere 24-V-Bett. Wie bei jeder Installation einer benutzerdefinierten Firmware auf neueren Prusa-Druckern, muss auch hierfür der Appendix auf dem Board physisch weggebrochen werden.
Wie der Drucker das Drucken und die Druckprofile handhabt, ist ein cleverer, zukunftsorientierter Ansatz. Es gibt keine vorgefertigten Slicer-Profile für den Core One Mini. Der Entwickler begründet das damit, dass jeder, der die Maschine zusammenbauen kann, auch in der Lage sein sollte, das Core One-Profil zu duplizieren und eine Handvoll Einstellungen selbst zu ändern. Diese Herangehensweise stellt sicher, dass die Profile auch zukünftige Updates des PrusaSlicers und die damit verbundenen Änderungen überstehen.

Das Dateipaket enthält eine passende Heizbett-Textur für die Ansicht in Ihrem Slicer, sowie getesteten Start- und End-G-Code für den PrusaSlicer und OrcaSlicer. Diese wurden umgeschrieben, um der vorderen Bettgeometrie und dem reduzierten Überfahrweg Rechnung zu tragen, da ansonsten die standardmäßige Priming-Routine fehlschlagen würde.
Der Erfinder berichtet, dass der Drucker genauso zuverlässig druckt wie der originale Core One. Zu den Testobjekten gehörte unter anderem ein 200 mm hohes Flugzeugtriebwerk (Aero Engine) aus PLA, dessen Druck 13,5 Stunden dauerte. Ein ASA-Test mit einem Draft Shield benötigte etwa 30 Minuten Aufheizzeit (Heat Soak), um allein durch das Heizbett eine Kammertemperatur von 45 °C zu erreichen. Die Kammer wird also auf die gleiche Weise beheizt wie beim Core One+, nur dauert es hier länger, da das kleinere 24-V-Bett des Mini weniger Heizleistung hat als das MK52, das es ersetzt.
Nach eigener Buchführung kostete der Prototyp des Core One Mini (Community Edition) rund 1.750 €, zuzüglich Versand und exklusive der Kosten für Laserschneiden, Blechbiegen und Lackieren. Diese Summe deckt einen ersten Aufbau mit Testteilen und Resten ab, inklusive eines Ersatz-Heizbetts. Der Konstrukteur rechnet damit, dass die Kosten im Laufe der Zeit durch weitere Überarbeitungen sinken werden. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es weder eine Stückliste (BOM) noch eine Montageanleitung. Da es keine offiziellen Teile direkt von Prusa gibt, benötigen Sie Zugang zur Blechbearbeitung.
Der Core One Mini (Community Edition) nimmt außerdem etwa 56 bis 60 % des Gehäusevolumens eines Core One+ ein, bietet dabei aber weniger als 44 % von dessen Bauraum. Damit wird der Vorteil der Platzeinsparung, mit dem ein Umbau vom MK4 zum Core One beworben wurde, ins Gegenteil verkehrt. Dies war eine bekannte Einschränkung des Projekts, die schon vor Baubeginn absehbar war.
Der Prototyp ist zwangsläufig teurer als Seriengeräte. Doch selbst wenn es einen solchen Core One Mini im Handel gäbe, könnte er nicht wirklich mit dem Core One+ oder beispielsweise einem Voron 0.2 mithalten. Letzterer liegt laut der Dokumentation von Voron für ein Bauvolumen von 120 mm³ bei 400 bis 600 €. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass es den Original Prusa Mini+ immer noch gibt, der mittlerweile im Bundle mit einem Gehäuse für 509 € angeboten wird. Es ist ein hervorragender und leistungsfähiger, wenn auch etwas in die Jahre gekommener, kleiner Drucker.
Aber es ging nie darum, den billigsten Drucker zu bauen oder gar einen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis – das Ziel war es, einen voll ausgestatteten Core One im Miniaturformat zu erschaffen.
Da der Core One Mini (Community Edition) auf den eigenen CAD-Daten von Prusa basiert, die unter der Open-Community-Lizenz des Unternehmens veröffentlicht wurden, verbietet diese Lizenz den Verkauf kompletter Maschinen oder Remixe davon ohne eine gesonderte Vereinbarung mit Prusa. Ein direkter Verkauf des Druckers ist unwahrscheinlich. Der Ersteller bittet die Community jedoch um Unterstützung dabei, an Prusa heranzutreten, um ein Komponenten-Bundle zu ermöglichen. Das ist ein Hoffnungsschimmer für eingefleischte Enthusiasten, die sich ihren eigenen unvernünftigen, aber exzellenten Core One Mini (Community Edition) bequemer zusammenbauen möchten. Unterstützung kann durch Spenden über das GoFundMe des Projekts gezeigt werden, oder durch Likes, Downloads und das Teilen auf der Printables-Seite des Projekts.
Lizenz: Der Text von "Core One Mini: Ein Maker baut den 3D-Drucker, den Prusa nicht herstellen will" von All3DP unterliegt der Creative Commons Attribution 4.0 International License.