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High-Tech am Fuß

Wie 3D-Druck-Produktion für Sportschuhe funktionieren kann

Bild vonAnatol Locker
Von Anatol Locker
Veröffentlicht am 20. Mai 2025

Mit 3D-Druck wollen HP und Something Added die Grenzen des Sportschuh-Designs sprengen. All3DP fragte bei François Minec nach, was aus der Kollaboration geworden ist… und wie andere davon profitieren können.

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Die HP 3D Print kündigte auf der Formnext 2024 eine strategische Partnerschaft mit dem jungen Unternehmen Something Added an. Ihr Mission Statement ist durchaus ‘sportlich’: Gemeinsam wollen sie die Sportartikelbranche mit innovativen 3D-Drucktechnologien revolutionieren. Vorerst liegt der Fokus auf Sportschuhen, bei denen additive Fertigung neue Maßstäbe in Funktionalität, Nachhaltigkeit und Individualisierung setzen soll.

Wir trafen François Minec, der als VP und Global Head of Polymers das Projekt begleitet. Minec verantwortet bei HP die Entwicklung von Polymerlösungen und die Leitung der entsprechenden Teams. Mit mehr als 22 Jahren Erfahrung mit Spezialchemikalien und Kunststoffen gilt er als zentrale Figur in der Transformation der AM-Fertigungsindustrie.

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Neue Design- und Materialmöglichkeiten für Sportschuhe

(Quelle: HP)
Bis zu 100.000 Zwischensohlen können jährlich mit nur 10 Druckern entstehen (Quelle: HP)
„Something Added ist eine neue Firma eines französischen Investors, der zur Gruppe der Sportartikelfirma Decathlon gehört“, erläutert Minec. „Decathlon wiederum nutzt seit 2018 HP-Technologie. Seit letztem Jahr arbeiten sie mit einem offenen System, um selbst Materialien zu entwickeln und den Drucker auf ihre Bedürfnisse anzupassen.“

Dabei lag es nahe, die D-Factory in Barcelona, ursprünglich als Demonstrationswerk von HP konzipiert, für die Zusammenarbeit an Something Added zu übergeben. „Die D-Factory kann mit ihren zehn HP-Druckern jährlich zwischen 50.000 und 100.000 Lattice-Strukturen für Sportschuhe produzieren“, so Minec. Mit weiteren Druckern könnte die Produktion skaliert werden, und Something Added plant bereits ein zusätzliches Werk in den USA.

HP setzt dabei auf ihre Multi Jet Fusion Technologie. Mit ihr lassen sich Bauteile schnell, wirtschaftlich und ohne Stützstrukturen fertigen, wobei man auch auf äußerst komplexe Geometrien nicht verzichten muss. Die so entstehenden Komponenten sind hochdicht, präzise und mechanisch belastbar, was sie ideal für funktionale Prototypen und Kleinserien macht.

Die Kooperation zielt nun darauf ab, die Grenzen des traditionellen Schuhdesigns zu überwinden, erläutert Minec. Additive Fertigung ermögliche Strukturen, die mit klassischen Methoden nicht realisierbar wären – etwa für verbesserte Dämpfung, Atmungsaktivität oder maßgeschneiderte Passformen.

Auch neue dabei kommen laut Minec zum Einsatz: „Wir haben eine Technologie entwickelt, die nicht nur Geld spart, sondern es ermöglicht, auch andere Farben im Produkt einzusetzen, in diesem Fall Orange.“ Durch die präzise Steuerung der Materialeigenschaften auf mikroskopischer Ebene können verschiedene Bereiche eines Schuhs gezielt mit unterschiedlichen Funktionalitäten ausgestattet werden. Flexible Zonen sorgen für mehr Bewegungsfreiheit, stabile Bereiche für besseren Halt. Something Added bringt dabei sein spezialisiertes Wissen über die besonderen Anforderungen der Schuhbranche ein und sorgt für die praktische Umsetzbarkeit dieser technologischen Möglichkeiten.

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Wie jeder profitieren kann

Große Teile der 600’er-Serie der Pick and Pack-Roboter des Online-Lebensmittelhändlers Ocado werden 3D-gedruckt (Quelle: Ocado)
Dass HP neue Materialien für ein junges Unternehmen entwickelt, ist ungewöhnlich – aber nicht ausgeschlossen. Könnten auch andere Firmen mit Kollaborations-Wünschen auf den Konzern zukommen? Minec betont: “Sicher, wenn dahinter eine Unique Value Proposition steht, die auf unsere Technologie abzielt. Wenn die Idee skalierbar ist, gehen wir gerne Kollaboration mit unseren Kunden ein. Der Online-Lebensmittelhändler Ocado beispielsweise nutzt HP’s 600’er-Serie, um Logistikroboter herzustellen, die fünfmal leichter als ihre Vorgängermodelle und aus bis zu 50 % aus additiv gefertigten Komponenten bestehen. So können sie Gewicht reduzieren, Produktionskosten senken und die Nachhaltigkeit verbessern.

Nun stehen für HP-Drucker eine gewisse Anzahl an Materialien zur Verfügung… aber eben nicht alle. Wie lässt sich das lösen? Laut Minec sei das Material natürlich entscheidend, aber man könne im Designprozess vieles anpassen: „Ich denke, Nachteile gewisser Materialien lassen sich durch gutes 3D-Design ausgleichen. Nehmen wir TPU oder TPA, das ja per se biegsam ist. Mit unserem Lattice Designer lassen sich mit wenig Aufwand stärkere Stützstrukturen einfügen. So erreicht man oft dasselbe Ergebnis wie mit einem Material mit höherer Shore Hardness.“

Auch beim Materialangebot gibt es neue Optionen. „Üblicherweise beziehen wir unser PA-12 von Evonik, aber jetzt bieten wir zusätzlich Material von Arkema Global an“, erklärt Minec. „Das bedeutet mehr Auswahlmöglichkeiten für die Kunden. Das bringt mehr Wettbewerb in unsere Welt.“

Über den Autor:
Anatol Locker has edited, run, developed, and written for dozens of print and online magazines. In 2014 he co-founded All3DP with Mathias Plica and Stefan Schwarz-Ulrich.
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