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Bau dich schlau!

Anet A8 Test: Ein günstiger 3D-Drucker-Bausatz für Modder

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by Tyler Koslow
Oct 18, 2017

Günstig und umrüstbar. Lies unseren Anet A8 Test und entscheide selbst, ob dieser 3D-Drucker-Bausatz für dich geeignet ist!

Viele Wege führen zum ersten eigenen 3D-Drucker. Firmen bieten fertig zusammengebaute 3D-Drucker an, mit denen man praktisch sofort nach dem Auspacken loslegen kann („Plug & Play“) und auch 3D-Drucker-Bausätze. Für Leute, denen alles andere zu langweilig ist.

Momentan ist der Prusa i3 MK2 (und seit November 2017 auch das Nachfolgemodell Prusa i3 MK3) die Messlatte für 3D-Drucker-Bausätze. Die Nachfrage für diese 3D-Drucker ist jedoch so hoch, dass es manchmal Wartezeiten von mehreren Wochen gibt.

Das ist nichts für Ungeduldige, und auch Sparfüchse werden froh sein, dass es billige und qualitativ gute Alternativen wie den Anet A8 gibt. Bei einem Preis von momentan 130 € (normalerweise circa 200 €) findet dieser Prusa-Klon reißenden Absatz auf der Webseite des chinesischen Elektrohändlers Gearbest und hat eine kontinuierlich wachsende Fangemeinde. Der günstige Preis, die Möglichkeit ihn umzurüsten und die Kompatibilität mit den meisten gängigen Materialien lockt immer mehr 3D-Fans mit knappem Budget.

Es versteht sich von selbst, dass wir herausfinden wollten, ob der Hype gerechtfertigt ist. Also hat All3DP einen Anet A8 3D-Drucker-Bausatz bestellt und getestet. Ich gebe zu, es war eine ziemliche Herausforderung, so einen 3D-Drucker von Grund auf zusammenzuschrauben, besonders wenn man so etwas noch nie vorher gemacht hat. Zum Glück hatte ich ein paar Helfer und nach ein paar Tagen des Tüftelns und Schraubens haben wir das Gerät zum Laufen gekriegt – und wenn es einmal steht, kann der Spaß auch richtig losgehen.

Hast auch du Interesse an einen 3D-Drucker-Bausatz, für dessen Anschaffung du nicht extra einen Kredit aufnehmen musst? Dann bist du genau richtig bei unserem Anet A8 Test.

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3D-Drucker-Test: Anet A8 Pro

  • Günstiger 3D-Drucker-Bausatz
  • 3D-Drucker mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Umrüstbar
  • Es sind sehr viele Erweiterungen als 3D-Druckvorlage verfügbar (drucke sie selbst mit dem eigenen Anet A8)
  • Eine hervorragende Art, mehr über das Schmelzschichtungsverfahren zu erfahren
  • Die Funktionalität verbessert sich mit jedem Druck und jeder Erweiterung
  • Ein anspruchsvolles, aber auch lohnenswertes Projekt
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3D-Drucker-Test: Anet A8 Contra

  • Haarsträubende Bauanleitungen
  • Ohne 3D-Druck-Erfahrung könnte der Zusammenbau zu anspruchsvoll sein
  • Ziemlich steile Lernkurve
  • Die Benutzeroberfläche ist nicht sehr praxistauglich
  • Ein perfekter Druck erfordert Zeit und Geduld
  • Die manuelle Kalibrierung ist etwas mühsam (eine automatische Druckbettausrichtung ist nur gegen Aufpreis erhältlich)
  • Das Design ist nicht besonders ästhetisch
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3D-Drucker-Test: Anet A8 Zusammenfassung

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Wir haben uns im folgenden Anet A8 Testbericht insbesondere auf die Montage und die Druckleistung konzentriert. Unsere wichtigsten Erkenntnisse: Der Drucker ist nicht leicht zusammenzubauen, aber er liefert für den günstigen Preis tolle Druckergebnisse.

Zur Bewertung der Montage und der Druckqualität findest du unten noch detailliertere Infos, zunächst aber möchten wir dir unseren Gesamteindruck des Anet A8 vorstellen. Berücksichtigt man den Preis, das Potenzial und die Druckqualität des Anet A8, darf man eigentlich kein schlechtes Wort über diesen 3D-Drucker-Bausatz verlieren.

Trotzdem sind wir auf einige Mängel gestoßen. Das Hauptproblem des Anet A8 ist, dass man sehr viel Zeit, Geduld und Können für die Montage und Optimierung benötigt. Dabei ist es auch gar nicht nur der Aufbau, der relativ komplex ist (gerade für Anfänger!), auch das manuelle Kalibrieren des Druckbetts erfordert viel Geduld und höchste Präzision.

Hat man diese Schritte aber einmal gemeistert, bringt der 3D-Drucker viel Spaß. Auch bei uns gab es Komplikationen, doch waren die einmal überwunden, lernten wir eine ganze Menge und sind nun gewappnet für zukünftige Porjekte. Vielleicht ist es ja wirklich unmöglich, diesen Drucker ohne Hindernisse zum Laufen zu bringen.

Aber das Gefühl, Probleme selbst erkannt und behoben zu haben, entschädigt am Ende für alle Strapazen. Insofern ist der Anet A8 ein idealer 3D-Drucker-Bausatz für ehrgeizige und zielstrebige Anfänger, sowie für erfahrene 3D-Fans mit kleinem Budget.

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3D-Drucker-Test: Anet A8 Merkmale & technische Daten

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Der Anet A8 3D-Drucker-Bausatz ermöglicht eine Schritt-für-Schritt-Lernerfahrung. Er hat einen schwarzen Acrylrahmen mit einem Bauraum von 220 x 220 x 240 mm Größe und ist mit vielen Filament-Materialien kompatibel, etwa mit ABS, PLA, Holzfilmant, Nylon PVA und PP.

Zu den Besonderheiten zählen Filamentrollen aus Metall, ein Quick-Release-Vorschubgetriebe für die Filament-Extrusion, Schienen, Zahnräder, Gewinde und Lager aus Edelstahl und verschiedene Anschlüsse.

Was die Kompatibilität mit dem PC anbelangt, gibt es so gut wie gar keine Einschränkungen. Der Anet A8 läuft mit Windows XP, Windows 7, Windows 8, Windows 10, Mac und Linux.

Vollständige Spezifikationen

  • Bauraum: 220 x 220 x 240 mm
  • Rahmenmaterial: Schwarze Acrylplatten
  • Druckbett-Platte: Aluminiumlegierung
  • Extruder-Düsen: 1
  • Durchmesser der Extruder-Düse: 0.4 mm
  • Layerhöhe: 0.1 – 0.3 mm
  • Offline-Druck mit SD-Karte
  • LCD-Bedienfeld: Ja
  • Druckgeschwindigkeit: Bis zu 100 mm/s
  • Filamentdurchmesser: 1,75 mm
  • Dateiformat: G-Code, OBJ, STL
  • XY-Achse Ausrichtungsgenauigkeit: 0.012 mm
  • Z-Achse Ausrichtungsgenauigkeit: 0,004 mm
  • Stromspannung: 12 V
  • Software des Host-Computers: Cura, Repetier-Host
  • Verpackungsart: 3D-Drucker-Bausatz
  • Zertifikate: EMC, FCC, LVD, RoHs
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3D-Drucker-Test: Anet A8 Montage

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Bevor wir die Druckqualität des Anet A8 prüfen konnten, mussten wir ihn zusammenbauen. Der 3D-Drucker-Bausatz war in einem Karton verpackt, sorgfältig verteilt auf drei Styroporebenen. Es fehlte jedoch etwas Unverzichtbares: die Bauanleitung.

Kein Problem. Die Anleitung war leicht im Internet zu finden. Doch nach den ersten paar Schritten fühlten wir uns etwas verloren, da die Darstellungen in der Anleitung nicht detailgenau waren. Also suchten wir auf YouTube und fanden und dort das ausführliche Schritt-für-Schritt Video von Osdoyi.

Mit dieser visuellen Unterstützung wurde das Zusammenbauen leichter und machte richtig Spaß. Es war eine willkommene Abwechslung und interessante Herausforderung. Zunächst setzt man den Acryl-Rahmen zusammen, gefolgt von der X-Achse, Y-Achse und Z-Achse (inklusive Stopp-Sensoren). Der Druckkopf und die Führungsstangen mussten auch zusammengesetzt und am Rahmen befestigt werden.

Nachdem alle diese Elemente montiert waren, kamen das Motherboard und die Stromzufuhr an die Reihe. Zum Glück war es nicht notwendig zu löten, wir mussten lediglich ein paar Kabel isolieren oder verstecken. Doch trotzdem gab es am Ende einen ziemlichen Kabelsalat. Dieses Problem ließ sich teilweise durch die mitgelieferten Kabelbinder und Kabelschläuche beheben.

Abgesehen von der fehlenden Anleitung und dem unvermeidlichen Kabelsalat, war die Montage extrem interessant und lehrreich. Durch diese Erfahrung haben wir spätere Probleme sofort verstanden und konnten sie eigenständig beheben.

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3D-Drucker-Test: Anet A8 Verarbeitung & Design

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Manche finden das Design des Anet A8 vielleicht etwas zu einfach und lieblos, unserer Meinung nach aber unterstützt das minimalistische Design die Funktionalität des 3D-Druckers. Die offene Form macht Veränderungen leicht und sorgt dafür, dass man in jede Ecke und in jeden Winkel greifen kann.

Ein Problem erkannten wir beispielsweise darin, dass der Zahnriemen nicht fest genug angezogen war. Es gab keinen Ersatz für den dafür verwendeten Gummiriemen, weshalb wir beim Einsetzen in sehr engen Stellen gut darauf achten mussten, dass er nicht beschädigt wurde.

Das offene und funktionsorientierte Design ermöglichte es uns den Riemen noch einmal zu lösen und anzuziehen, was die Druckqualität enorm verbesserte. Auch der Druckkopf lässt sich abmontieren, falls es eine Filamentverstopfung gibt.

Einige Nachteile hatte das Design dennoch. Beispielsweise passte die 3D-gedruckte Ventilatorverbindung („Nozzle Fan Duct“), welche zum Drucker gehört, nicht richtig auf den Extruder und hing etwas tiefer als die Extruder-Düse. Zum Glück hat die Anet A8 Gemeinde das gleiche Problem gehabt und eine Lösung gefunden. Passende Ventilatorverbindungen gibt es zum kostenlosen Download auf Thingiverse (mehr dazu später).

Weitere Probleme bereiteten uns die zahlreichen Kabel, das Fehlen eines Ein/Aus-Knopfes (man muss den Stecker ziehen um den Drucker auszuschalten) und einige Schrauben im Druckbett, die sich hin und wieder lösten. Eine Überraschung gab es ganz am Anfang unseres Druck-Tests. Nach Beseitigung einer Verstopfung in der Extruder-Düse bauten wir den Druckkopf wieder zusammen, wobei wir eine Rauchentwicklung aus der Extruder-Düse bemerkten.

Das alarmierte uns natürlich sehr und wir nahmen den Druckkopf wieder auseinander. Die Ursache war ein mit dem Heizblock verbundenen Kabel, das sich gelockert hatte. Eine Google-Suche später wussten wir, dass dies kein ungewöhnliches Problem ist. Wir haben die Kabel zwar sorgfältig in ihren vorgesehenen Platz zurückgelegt, andere Nutzer raten deshalb dazu, eine Wärmeleitpaste zu verwenden, um die Kabel in ihrer Position zu halten.

Bei so einen günstigen 3D-Drucker waren solche kleinen Probleme aber wohl vorprogrammiert. In Anbetracht der Tatsache, dass man einen Prusa-Klon für circa 200 € bekommt, sind solche Designfehler nicht überraschend.

An der Benutzeroberfläche mit dem LCD-Bedienfeld ist eigentlich nichts auszusetzen, jedoch erwies sie sich später als nicht besonders praxistauglich. Dieser 3D-Drucker-Bausatz bietet sehr viele Menü-Optionen, doch die schwergängigen Knöpfe machen das Navigieren zu einem mühevollen Unterfangen.

Immerhin gelang es uns die Druckbett-Temperatur zu verändern, die Geschwindigkeit des Ventilators einzustellen und den Druckprozess zu überwachen. Die Positionierungsfunktion ermöglicht die Bewegung der Achsen, eine praktische Hilfe bei der Kalibrierung des Druckbetts.

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3D-Drucker-Test: Anet A8 Druckqualität und Druckleistung

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Ok, das waren jetzt genug Infos über Montage und Design. Wir können also endlich zur Hauptsache kommen: zur Druckleistung und -qualität. Vor dem Extrudieren muss der Anet A8 noch kalibriert werden. Die allererste Kalibrierung des 3D-Druckers ist sehr anspruchsvoll und erfordert eine längere Zeit des Ausprobierens.

Wenn du die Höhe des Druckbetts einstellst, ist es ratsam, die Schraubenumdrehungen an jeder Ecke mitzuzählen, damit das Druckbett auch wirklich eben ist. Wenn du die Kalibrierung perfekt machen willst, kannst du mit einem Blatt Papier feststellen, ob der Abstand zwischen Druckkopf und Druckbett überall gleich ist. Setze dafür den Druckkopf in die Ausgangsposition ganz knapp über das Druckbett und verändere seine Position. Wenn du nun das Papier zwischen Druckbett und Druckkopf ziehst, sollte der Widerstand überall gleich sein.

Nachdem du das Druckbett auf ein ebenes Level kalibriert hast, bist du bereit zum Drucken. Natürlich gibt es kein besseres 3D-Testmodell zur Feststellung der Druckqualität als #3DBenchy. Bei unserem ersten Versuch (im Bild oben rechts) hatte der Druck eine sehr wellige Oberfläche. Der Effekt war interessant (um es vorsichtig zu sagen), aber nicht erwünscht. Wir haben dann bald erkannt, dass der lose Zahnriemen unter dem Druckbett dafür verantwortlich war.

Nachdem wir ihn enger geschnallt hatten, machten wir einen zweiten #3DBenchy Testdruck (siehe das rote Modell oben in der Mitte). Dieser Versuch war schon viel besser als der erste, aber wir bemerkten noch immer Striemen im Inneren des Bootes. Wir überprüften mittels der Software Simplyfy3D die Rückzugseinstellung und passten die Drucktemperatur an. Dadurch erzielten wir unser bestes Ergebnis (siehe lila #3DBenchy oben links).

Auch wenn es etwas Geschick erforderte, den Drucker zu optimieren, das lila #3DBenchy ist der Beweis für die Qualität des Anet A8. Für einen so günstigen 3D-Drucker ist das Ergebnis echt beeindruckend. Nach den Tests mit den #3DBenchy wollten wir einige Erweiterungen für den Anet A8 ausprobieren.

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3D-Drucker-Test: Anet A8 Modifizierbarkeit & Erweiterungen

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Wir haben uns auf Thingiverse durch die vielen faszinierenden und einzigartigen Erweiterungen gewühlt, die von der Anet-A8-Gemeinde inzwischen erfunden wurden.

Aus den absoluten Must-Haves wählten wir als Erstes das Anet A8 Mainboard Cover von Lee-R. Dabei handelt es sich um eine einfache Abdeckung für das offene Motherboard, wobei dank der hexagonalen Lochstruktur nach wie vor Luft zirkulieren kann.

Unsere zweite Erweiterung (und absoluter Favorit) war der „Center Nozzle Fan“ von Arjjck. Dieses Bauteil war besonders nützlich, da wir Probleme mit der mitgelieferten Ventilatorverbindung hatten. Sie half, Kühlungsluft auf richtiger Höhe an die Extruder-Düse zu leiten. Nur dank dieser Erweiterung konnten wir unsere besten Druckergebnisse erzielen.

Schließlich haben wir auch noch den „Extruder Button“ von dryas gedruckt, einen praktikablen und größeren Knopf für den Extruder-Verschluss. Zu empfehlen ist auch noch der Simple Filament Guide von papinist. Diese Erweiterungen wird am oberen Rand des Rahmens befestigt und verhindert, dass sich Filament während des Drucks verheddert.

Wenn du noch nicht genug hast, schaue dir die Vielzahl an Erweiterungen auf Thingiverse an. Du kannst sie hier durchstöbern. Was Erweiterungen für den Anet A8 betrifft, sind die Möglichkeiten wirklich unendlich, vom Stahlrahmen bis zur Zahnriemenbefestigung.

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3D-Drucker-Test: Anet A8 Fazit

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Trotz kleinerer Mängel ist der Anet A8 3D-Drucker-Bausatz eine Herausforderung, der sich jeder ehrgeizige Maker und 3D-Fan einmal stellen sollte. Mit Sicherheit kann man ihn nicht mit dem Original Prusa i3 MK2 vergleichen, aber der günstigere Preis und die schnelle Lieferung sind zwei gute Argumente für den Anet A8.

Dies ist unser Fazit zum Anet A8: Wenn du nach einem günstigen 3D-Drucker-Bausatz suchst, mit dem du Freude haben und qualitätvolle Drucke produzieren kannst, dann ist der Anet A8 das passende Modell für dich.

Was hältst du von unserem Anet A8 Test? Schreibe deine Wünsche und Anregungen einfach in die Kommentare.

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